„BEIM STARTSCHUSS BEIM MARATHON VON PARIS WAR ICH SEHR AUFGEREGT: DENN JETZT WURDE ES ERNST.“

Marie läuft regelmäßig. Und, besser noch, sie liebt es. Aber zwischen dem Laufen aus Spaß und der Anmeldung für einen Marathon liegt zugegebenermaßen ein großer Schritt, den Marie 2017 gemacht hat. Warum? Wie? All dies erzählt sie uns jetzt!

WIE BIST DU AUF DAS LAUFEN GEKOMMEN?

Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Laufen Teil des Alltags war. Meine Eltern waren sehr sportlich und mochten das Laufen am Wochenende, weil es ihnen Spaß gemacht hat, weil es gesund und sportlich wertvoll ist. Als ich klein war, habe ich sie immer bis zur Startlinie begleitet.

Daher kommt meine Liebe zum Laufen. Für mich war es immer ganz natürlich. Ich bin auch geschwommen und habe getanzt, aber das Laufen ist etwas ganz Besonderes für mich. 2007 - 2008 wurde ich ermutigt, mit dem Laufen weiterzumachen, nachdem ich es mehr durch Zufall auf ein paar Podien geschafft hatte. Ich habe nicht viel erreicht, aber das hat mir geholfen, Vertrauen in mich zu haben und mir Lust darauf gemacht, mit diesem Sport weiterzumachen, aber mich niemals dazu zu zwingen, egal was kommen möge! Zuerst ging es mir darum den Sport aus Spaß zu machen und mich gut zu fühlen, die Stoppuhr war dabei immer Nebensache.

WIE BIST DU DARAUF GEKOMMEN, BEI EINEM MARATHON MITZUMACHEN?

Die Entscheidung fiel plötzlich aber überlegt. Eines Sonntags im September 2016 langweilte ich mich extrem und fühlte, wie sich meine 30 Jahre am Horizont aufbauten. Mir fehlte jedoch die persönliche Erfüllung, etwas, das ich nur für mich machen wollte, ganz allein, um darauf stolz zu sein. Mir mangelte es an Selbstbewusstsein und ich hatte einige Kilos zu viel auf den Rippen!

An diesem Tag bin ich auf Facebook gegangen und habe einen Kontakt gesehen, der sich das zweite Mal auf den Marathon von Paris vorbereitete! Das war für mich wie ein Elektroschock und ich sagte mir „Warum nicht auch ich? Warum sollte ich es mit meinen 30 Jahren nicht auch versuchen?“

Außerdem war für mich der Marathon von Paris DIE legendäre Distanz. Diesen Lauf musste ich machen.

Ich bin also zum Marathon von Paris gereist. Mir ist fast die Luft weggeblieben, als ich den Preis für die Startnummer gesehen habe. Eine echte Investition, ohne die Anreise und Unterbringung zu berücksichtigen.

"Meine digitale Startnummer erschien auf dem Bildschirm. Ich war sehr bewegt, als ich es sah. So wurde mir klar, dass ich im April 2017 beim Paris Marathon an den Start gehen werde. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Damals wusste ich noch nicht, dass ich die schönste Reise meines Lebens in Angriff genommen habe!"

WIE HAST DU DICH VORBEREITET?

Das ist der überlegte Teil der Entscheidung für die Teilnahme am Marathon, denn ich hatte schon Erfahrungen bei einigen Halbmarathons gesammelt. Ich habe gute und auch sehr schlechte Lauferfahrungen gemacht. Ich hätte mich niemals dafür entschieden, wenn ich vorher nicht den Halbmarathon gelaufen wäre, denn es ist wirklich wichtig, sich gut als Läufer zu kennen und sein Laufverhalten in unterschiedlichen körperlichen Verfassungen, bei unterschiedlichen Klimabedingungen etc. zu kennen.

Für den Marathon habe ich Anfang Januar mit der Vorbereitung begonnen. Dabei habe ich die Decathlon Coach App genutzt, die mir eine große Hilfe war. Die App bietet verschiedene Trainingspläne an und ich habe den Trainingsplan genutzt: „Auf den Marathon vorbereiten“ in zwölf Wochen. Ich habe mithilfe der App dann mit der Vorbereitung begonnen, die mich bei jeder Trainingseinheit benachrichtigte und mich coachte, wie ich trainieren sollte. Sie erinnerte mich beispielsweise daran, locker zu atmen, viel zu trinken und das Stretching nicht zu vergessen. Ich brauche diese Betreuung, die App hat mir viel geholfen. Umso mehr, weil der Trainingsplan auch einige Wochen Ausruhen beinhaltet.

Gleichzeitig bin ich einer Laufgruppe beigetreten, um mich zu motivieren. Der Vorteil bei einer Gruppe ist, dass man nicht allein ist und dass man beim Intervalltraining unterstützt wird, an seine Grenzen zu gehen. Man spricht mit erfahrenen Läufern über seine Ziele und sammelt gute Ratschläge. Diese Trainingseinheiten in der Gruppe waren also sicherlich eine große Hilfe, aber am Tag X würde niemand an meiner Stelle laufen und daher habe ich auch alleine trainiert. Und Höhen und Tiefen erlebt.

AUF WELCHE SCHWIERIGKEITEN BIST DU GESTOSSEN?

Ich hatte einige körperliche wie auch mentale Probleme.       

Mein erstes Problem war „woher nehme ich die Zeit zum Trainieren“? Ich hatte einen Trainingsplan über 12 Wochen mit drei Trainingseinheiten pro Woche. Ich musste mich organisieren und habe schließlich direkt nach meinem Arbeitstag trainiert. Sogar allein, abends, im Dunkeln und mitten im Winter, ich habe mich dabei nicht immer sicher gefühlt! Ich habe es aber geschafft meine Momente der Demotivation und der Trägheit zu überwinden. Ich habe meine Trainingssachen angezogen, meine Laufschuhe geschnürt und habe einen Fuß vor den anderen gesetzt und los ging es für Einheiten von einer Stunde und anderthalb Stunden.

In körperlicher Hinsicht habe ich die in der vierten Vorbereitungswoche erlittene Verletzung überwunden. Die Verletzung war leicht und angesichts des Trainingspensums voraussehbar, dass der Körper zu einer bestimmten Zeit schwächeln würde. An diesem Moment muss man lernen aufzuhören, sich Ruhe zu gönnen und Abstand zu nehmen. Und das habe ich gemacht. Dann habe ich langsam wieder angefangen.

Ich hatte auch mental einige Schwierigkeiten, denn man zweifelt immer wieder an sich, wenn man eine Strecke angeht, die man noch niemals vorher gelaufen ist. Daher bin ich bei meinem Training sehr diszipliniert geblieben. Aber ich hatte immer Angst, nicht genug oder nicht effizient genug zu trainieren oder es nicht gut genug zu machen.

Deshalb habe ich mit meinem Lauf-Blog angefangen. Zunächst war das ein Ventil für mich, ich erzählte, wie ich meine Trainingseinheiten erlebte. Die Guten und die Schlechten. Das Ziel dabei war, mich mental zu erleichtern, denn die Vorbereitung für einen Marathon ist eine mentale Belastung. So konnte ich mich an schwierigen Tagen, hinein versenken und den schon durchlaufenen Weg sehen. Denn Sport kann auch ein Teufelskreis sein, es ist wichtig Einsteigern zu sagen, dass man an manchen Tagen wirklich durchhängt, aber nur um am nächsten Tag noch besser durchzustarten!

UND AM TAG DES MARATHONS?

Das war wirklich aufregend! Ich hatte am Vortag meine Startnummer abgeholt. Ich war mehr als aufgeregt. Ich konnte es nicht erwarten und hatte gleichzeitig Angst. Du hast keine Vorstellung davon, wie diese 42 km ablaufen werden. Ich bin bisher höchstens Halbmarathons gelaufen!

Am Morgen des Starts waren Läufer überall, ein Riesen-Trubel herrschte in der Stadt - einfach toll... Beim Startschuss hatte ich das intensive Gefühl: jetzt wird‘s ernst. Ich habe mich auf meinen Lauf konzentriert, ich habe an alle Ratschläge, die man mir gegeben hat, gedacht, an alle Berichte, die ich gelesen hatte, an alle Videos vom Ziel, die ich jemals gesehen hatte. Und hier ist das Wichtigste: Nicht zu schnell loslaufen! Im Laufe des Rennens gibt es genug Möglichkeiten das Tempo noch anzuziehen, aber zu Beginn mus der Körper erstmal warm werden.    

Ich bin ruhig losgelaufen, zurückhaltend angesichts des Unbekannten: ich habe die ersten zehn Kilometer in 1 Stunde 5 Minuten absolviert, während ich eine Woche zuvor dieselbe Strecke innerhalb von 53 Minuten geschafft hatte und die Hälfte der Strecke habe ich innerhalb von 2 Stunden und 18 Minuten wiederum absolviert, während ich normalerweise diese Strecke in weniger als zwei Stunden geschafft hatte.

Ich habe einfach den Augenblick und auch Paris genossen, es war einfach überwältigend: diese Monumente überall und ein Publikum, das uns fast die ganze Strecke über anfeuerte! Vor dem 30. Kilometer wurden die Dinge schwierig. Ich habe gefühlt, wie meine Beine steif wurden. Das war sicherlich der Stress... ich hatte außerdem den ganzen Winter in der Kälte trainiert. Am Tag X, am 9. April 2017, waren es 26 Grad in Paris!  Genau in diesen Fällen helfen dir deine Erfahrungen als Läufer, deine Kenntnisse von deinen Reaktionen auf der Strecke, um diesem Unvorhergesehenen zu begegnen... und den technischen Erfordernissen der Strecke.

WAS RÄTST DU ALLEN, DIE ES EINMAL MIT EINEM MARATHON VERSUCHEN MÖCHTEN?

Ich rate ihnen, sich eine Startnummer zu besorgen. Das ist der schwierigste Schritt. Man traut sich zuerst nicht, es gibt immer einen guten Grund, der dagegen spricht. Und wenn man vor vollendeten Tatsachen steht, quasi am Fuße des Berges, erarbeitet man eine Angriffsstrategie. Man weiß, dass man an der Startlinie stehen wird. Das 42 km auf einen warten. Dass du starten wirst. Man weiß noch nicht, wie man das schafft...

Man muss sich immer vorher ein "Schutzschild" besorgen, indem man mehrere Halbmarathons unter allen möglichen Bedingungen läuft. Denn dabei erringt man eine mentale Stärke, die dein Verbündeter bei den schwierigen Momenten beim Marathon wird. Du kannst dich ausschließlich auf dich selbst verlassen und das ist eine tolle Reise in dein Inneres!

Ich würde auch sagen, dass man ernsthaft trainieren muss, aber ohne sich durch ein Zeitziel zu belasten. Der Rhythmus eines Marathons besteht nicht nur in den ersten zehn oder 20 Kilometern, es ist eine Ausdauerprüfung, aber auch ein menschlicher Test, der viel Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen mit sich bringt. Man übertrifft sich selbst während der Trainingswochen, hierbei spielt sich alles ab. Der Tag des Marathons ist nur die Vollendung einer disziplinierten Arbeit.

Emile Zatopek sagte es, „wenn du dein Leben ändern möchtest, laufe einen Marathon“, und das ist wahr. Einen Marathon zu laufen hat mein Leben geändert, ich habe wieder Selbstvertrauen gewonnen und mich in allen Bereichen weiterentwickelt, so wie ich es noch nie vorher getan hatte. Ich mache es auch noch einmal: momentan bereite ich mich auf meinen zweiten Marathon in Paris vor. Die Erfahrung ist dieses Mal eine Andere, ich weiß, was mich erwartet: vier Stunden Spaß! Ich freue mich schon darauf, den Tag X noch einmal erleben zu dürfen!

UND DU? WAS SAGST DU ZU EINEM MARATHON? BEREITEST DU DICH SCHON VOR? REIZT ES DICH? DENKST DU SCHON DARÜBER NACH? ERZÄHL UNS ALLES!
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