Klettern und Bergsteigen:Die Sicherungs- und Abseiltechniken

Beim Klettern und beim Bergsteigen wird das Seil direkt am Klettergurt befestigt. Die Befestigung des Seils über einen Karabiner ist verboten. Die Querachse des Karabiners ist der schwächste Punkt, und wenn bei einem schweren Sturz diese Achse belastet wird, ist die Bruchgefahr erhöht.

Wie seilt man sich an?

Man bindet das Seil ganz einfach über einen doppelten Achterknoten an den Klettergurt. Wie hier:

Besitzt der Klettergurt einen Sicherungsring und 2 Anseilpunkte, muss unbedingt an beiden Anseilpunkten ein Knoten gebunden werden.

Obwohl nämlich der Sicherungsring zum Klettergurt gehört und eine Maximalbelastung von 25 kN aushält, sind die Anseilpunkte, im Gegensatz zum Ring, gegen die Seilreibung zusätzlich verstärkt.

Besitzt der Klettergurt einen einfachen Anseilpunkt, wird das Seil daran geknotet.

Achtung: Das Seil stets nur an dem oder den Anseilpunkt(en) des Klettergurts knoten, niemals am Gurt oder an den Schlaufen. Das gilt insbesondere bei Kindern.

Techniken-Knoten-Klettern

Die verschiedenen Sicherungstechniken

Toprope-Klettern

Bei dieser Technik klettert man am Einfachseil empor, das zuvor am oberen Ende des Wegs angebracht wurde. An dem einen Ende des Seils hängt der Kletterer, und der Sichernde befestigt sein Sicherungssystem am anderen Ende. Der Sichernde muss jetzt nur im Rhythmus mit dem Kletterer das Seil einholen. Am Ende der Strecke angelangt, lässt der Sichernde den Kletterer nun wieder am Seil zum Boden ab.

Das „Toprope-Klettern“ wird zur Sicherung in der Halle und an „Schulungsfelsen“ verwendet. Es ist eine sehr sichere Technik, da es durch das fast immer gespannte Seil zu keinem Sturz kommt.

Vorstieg

Beim Vorstieg klettert man an einem Felsen ... ohne Seilsicherung von oben. Daher sichert man sich beim Hochsteigen durch Einhängen in Zwischensicherungen über Expresse ab.Die Anschlagpunkte sind entweder dauerhaft (präparierter Fels) oder werden vom Kletterer eingeschlagen (Klemmkeile, Felshaken, ...). Löst sich eine Sicherung, dann bremst die letzte Expresse den Fall des Vorsteigers (der erste Kletterer am Seil).

Im Gegensatz zum Toprope, bei dem der Sicherer das Seil einholt, lässt er bei diesem Sicherungssystem stets Seil nach.

Am Ende der Länge sichert der Kletterer sich ab und richtet einen Standplatz ein. Nun kann er den Nachsteiger sichern (der zuvor den Vorsteiger gesichert hat). Der Nachsteiger sammelt die Expressen ein (und gegebenenfalls die Klemmkeile) und klettert bis zum Standplatz des Vorsteigers.

Im Allgemeinen klettert nun der 2. Kletterer, um umständliches Seilverlegen und die Übergabe des eingesammelten Materials zu vermeiden, nun in der folgenden Länge als Erster.

Klettern-Vorstieg-Simond

Der Standplatz

Ein Standplatz ist ein Halteplatz auf dem Weg oder am Ende des Wegs; er besteht aus mehreren untereinander verbundenen Verankerungen. Bei Mehrseillängentouren arbeitet man sich von Standplatz zu Standplatz vorwärts. Der Vorsteiger erreicht den Standplatz, der Nachsteiger kommt dazu, klettert nun als Vorsteiger weiter bis zum nächsten Standplatz usw.

Ein Standplatz besteht immer aus mindestens 2 Punkten, die mit einem oder mehreren Riemen (oder Schnur/Schnüren) verbunden sind. Der von den Riemen gebildete Winkel sollte so klein wie möglich sein, um den Zug auf die Verankerungen zu minimieren.

Am präparierten Felsen sind die Verankerungen für die Standplätze bereits vorhanden, man muss nur noch den oder die Riemen befestigen, um den Nachsteiger zu sichern.

Auf nicht präpariertem Felsen müssen die Verankerungen selbst angebracht werden. Das können Felshaken sein, Klemmkeile, Eisschrauben (beim Bergsteigen), auch eine Felsnase oder ein Baum. In allen Fällen ist äußerste Sorgfalt geboten. Und es ist besser, sich nicht nur auf die Mindestanforderung von 2 Verankerungen zu verlassen. Die Schutzwirkung wird durch eine dritte Verankerung erheblich erhöht.

Klettersport-Standplatz-Simond

Weitere Informationen

Vorteile

+praktisch (sofort einsatzbereit)

+sicher (kaum Fehler möglich, es sei denn, man verwechselt seinen Karabiner mit dem Schraubglied des Standplatzes)

+dynamisch (Achtung, vermeide stets einen Fall an einem zu kurzen Seil.

+nach Sicherung: Abseilen möglich

+sehr gut zum Lernen in der Halle
 

Nachteile

- mehr Volumen

Das Abseilen

Beim Abseilen wird das Seil bis zur Hälfte durch die Umlenkrolle am Ende der Route geführt, dann werden beide Enden ins Leere geworfen. Anschließend steigt man an der Wand mithilfe eines Abseilgeräts ab. Beim tiefer gelegenen Standplatz oder auf dem Boden muss man das Seil nur noch an einem Ende zu sich ziehen. Das ist der Abstieg am Seil.

Achtung: Wachsamkeit und gute Ordnung sind beim Klettern am Seil geboten! Die meisten Kletterunfälle passieren beim Abstieg am Seil.

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