Gut bremsen mit einem Rennrad

GUT BREMSEN MIT EINEM RENNRAD

Welches ist die beste Bremstechnik, die je nach Gelände anzuwenden ist? Sollte eher die Hinterrad- oder die Vorderradbremse benutzt werden? Sollte man in einer Kurve bremsen? Richtig bremsen zu können ist eine echte Fahrtechnik und dafür müssen einige grundlegende Dinge beherrscht werden.

WELCHES IST JE NACH GELÄNDE DIE BESTE BREMSTECHNIK?

Sollte eher die Hinterrad- oder die Vorderradbremse benutzt werden? Sollte man in einer Kurve bremsen?

Richtig bremsen zu können, ist nicht jedem in die Wiege gelegt worden, aber diese Technik muss man beherrschen, will man sein Fahrrad für ein sicheres Fahren jederzeit unter Kontrolle haben. Kann man gut bremsen, ist man bergab zudem oft sehr viel schneller (außer wenn die Abfahrt in einer geraden Linie erfolgt), als ein Radfahrer, der diese Technik nicht beherrscht.

EIN WENIG TECHNIK

Für ein sicheres Bremsen ist vor allem auf den einwandfreien Funktionszustand der Bremsen zu achten. Die Bremsklötze müssen in gutem Zustand und parallel zur Felge stehen. Sie müssen beim Bremsen auf der gesamten Bremsfläche aufliegen. Achte darauf, dass ein Teil des Bremsklotzes nicht die Seitenwand des Reifens berührt. Das führt unausweichlich zu Rissen.

Die Bremszüge und -hüllen müssen ebenfalls in einwandfreiem Zustand sein. Im Allgemeinen wird empfohlen, sie jedes Jahr zu wechseln, insbesondere dann, wenn du auch bei Regen fährst. Verrostete oder abgenutzte Bremszüge gleiten schlechter in der Bremshülle und das Bremsen kann nicht so gut dosiert werden.

VORDER- ODER HINTERRADBREMSE?

Als du klein warst haben deine Eltern dir bestimmt geraten, vor allem die Hinterradbremse zu benutzen, um nicht über den Lenker zu fallen. Das ist falsch.

Auch wenn das für ein Kind gilt, das in der Regel nicht sehr schnell fährt und dessen geringes Gewicht ausreicht, um durch die Betätigung der Hinterradbremse langsamer zu werden, verhält es sich bei einem Erwachsenen ganz anders.

Genau wie beim Motorrad sollte man lieber die Vorderradbremse benutzen. Häufig wird von einer Bremskraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterradbremse im Verhältnis 70:30 gesprochen. Dies hängt mit der Übertragung der Massen zusammen. Beim Bremsen wird das Gewicht des Fahrrads und Fahrers auf den vorderen Teil des Fahrrads übertragen. Das Vorderrad wird höher belastet, der Vorderreifen etwas stärker eingedrückt, wodurch eine höhere Reibungsfläche entsteht. Darum ist dort auch die Bremskraft höher.

Das Hinterrad ist hingegen entlastet und man kann dieses Rad durch kräftiges Bremsen schneller blockieren. Und ein Rad zu blockieren ist nicht gerade die effektivste Sache.

Aus all diesen Gründen verfügen Motorräder in der Regel aus zwei großen Bremsscheiben vorne und einer deutlich kleineren Bremsscheibe hinten. Dasselbe gilt für Autos, die vorne häufiger mit größeren Bremsscheiben als hinten ausgestattet sind bzw. hinten nur Trommelbremsen haben, die deutlich weniger leistungsstark sind.

In jedem Fall ist auf trockener Fahrbahn und bei einem Fahrrad in waagerechter Position diese Regel im Hinterkopf zu behalten: 70 % Bremskraft vorne und 30 % hinten.

Habe wegen der Gewichtsübertragung keine Angst davor, das Vorderrad zu blockieren. Wenn du deine Bremsen richtig dosieren kannst, ist es sehr viel schwerer, ein Vorderrad als ein Hinterrad zu blockieren.

ZUM LANGSAMER WERDEN ABWECHSELND VORNE UND HINTEN BREMSEN

Bei langen Strecken bergab kann es sein, dass du einfach nur langsamer werden bzw. deine Geschwindigkeit halten und nicht bremsen musst.

In diesem Fall solltest du abwechselnd vorne und hinten bremsen, um ein Überhitzen der Felgen zu vermeiden. Diese Technik ist z. B. zwingend erforderlich bei Carbon-Laufrädern, die sich deutlich schneller erhitzen als Alu-Laufräder.

Bremst du auf sehr langen Abschnitten nur mit einer einzigen Bremse, staut sich die Hitze in der Felge und der Druck erhöht sich im Fahrradschlauch, wodurch im schlimmsten Fall der Schlauch sogar platzen kann. Dasselbe gilt für Carbon-Laufräder, bei denen das Harz, das zum Verkleben der Carbon-Schichten benutzt wird, schmelzen kann. In diesem Fall kannst du dein Carbon-Laufrad nicht mehr verwenden und es lässt sich nicht mehr reparieren.

AUF KIES, SAND ODER NASSER FAHRBAHN BREMSEN

Die folgenden Straßenbedingungen weisen ganz besondere Merkmale auf, weshalb Bremsen so wichtig ist. Bei trockener Fahrbahn kannst du mit dem Fahrrad auch langsamer werden, wenn es seitlich geneigt ist. Ist die Haftung jedoch verringert (nasse Fahrbahn, schwerer Boden, alte Blätter, Sand oder Kies), musst du im Hinterkopf behalten, nie mit zur Seite geneigtem Fahrrad zu bremsen. Ansonsten ist ein Grip-Verlust vorprogrammiert.

Bei solchen schlechten Bedingungen musst du mehr denn je dein Bremsen dosieren, damit die Reifen nicht komplett blockieren. Die Bremskraftverteilung von 70:30 kann bei nasser Fahrbahn 50:50 betragen. Und auf Sand oder Kies kann das Verhältnis auf 0:100 schrumpfen, d. h. die Vorderradbremse wird einfach gar nicht verwendet.

Denn das Vorderrad auf Kies oder Sand zu blockieren, bedeutet häufig zu fallen. Darum ist es besser, rechtzeitig anzufangen, hinten zu bremsen, auch auf die Gefahr hin, dass das Rad hinten blockiert, was aber bei einem Fahrrad in waagerechter Position einfacher zu handhaben ist. Um den Zeitpunkt des Blockierens zu verzögern, sollte so viel Gewicht wie möglich nach hinten verlagert werden.

IN KURVEN BREMSEN

Wenn du den Artikel „Mit dem Rennrad bergab fahren“ gelesen hast, weißt du, dass du vor einer Kurve langsamer werden musst. Doch es kann vorkommen, dass man bei einer unbekannten Abfahrt zu schnell in eine Kurve einfährt. Das kann eine enge oder von Pflanzen verdeckte Kurve sein, kurz gesagt: Man kann von einer schärferen Kurve überrascht werden.

Wenn du in diesem Fall nicht langsamer wirst, dann geht es munter weiter geradeaus. Verwende zum Drehen ausschließlich die Hinterradbremse, sobald das Fahrrad zur Seite geneigt ist. So wirst du etwas mehr in die Kurve gehen können, aber bremse auf jeden Fall nur sparsam, damit du nicht komplett wegrutschst.

IM HAUPTFELD

Es kommt nicht selten vor, dass die Fahrer im Hauptfeld mit weniger als 50 cm Abstand zueinander fahren. Darum ist leicht zu verstehen, dass ein starkes Abbremsen  – außer im Notfall – zu vermeiden ist. Wenn du zu stark bremst, fahren die Fahrer hinter dir ggf. auf dich auf, da sie es nicht erwarten.

Darum nutze lieber die Hinterradbremse, mit der du langsamer werden kannst. Das reicht in der Regel aus. Bremst du zu stark, benötigst du sehr viel mehr Energie, um wieder in Schwung zu kommen.

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