EINSTIEG INS FAHREN ABSEITS DER PISTEN

Reizt es dich abseits der Pisten zu fahren? Entdecke die Tipps und Techniken von Cédric Bonnivard, Freeride-Lehrer in La Clusaz, um dem Pulverschnee mit der richtigen Technik zu begegnen!

INTERVIEW MIT CÉDRIC BONNIVARD

Freeride-Lehrer in La Clusaz

• Hallo, magst du dich kurz vorstellen?

Hallo, ich bin seit 18 Jahren Ski- und Snowboardlehrer sowie Konditionstrainer im französischen Skigebiet von Albertville. Ich leite die Gruppe „Génération Freeride“ in La Clusaz, die ich vor vier Jahren zusammen mit Vincent Michaud gegründet habe. 

 

• Für wen ist das Freeride geeignet? Kann jeder abseits der Pisten fahren?

Meiner Meinung nach ist das Skifahren abseits der Pisten für jedermann geeignet, aber nur, wenn es unter guten Bedingungen durchgeführt wird. Wenn du dir deiner Technik und deines Könnens sicher bist, kannst du dich problemlos an die Ausrüstung, die Schneebedingungen, das Gelände und die täglichen Gegebenheiten anpassen und im Falle eines Problems entsprechend reagieren. Wenn du hingegen unsicher bist, solltest du dich an einen Führer oder Lehrer wenden, der dich auf einem einfachen Parcours begleitet, wie z. B. an den Pistenrändern, dem idealen Ort, um dich selbst zu testen und zu lernen, wie man unterschiedliche Schneeverhältnisse meistert.

 

• Wie kann man sein Leistungsniveau im Skifahren richtig einschätzen?

Starte behutsam mit leichtem Geländefahren an den Rändern der Piste. Der Schnee ist nicht präpariert und vorhandene Tannen können eine gute Möglichkeit sein, um zu lernen, wie man schnell seinen Kurs ändert – super zum Üben. 

DIE TECHNIK

• Welche wichtigen Techniken muss man beherrschen, wenn man abseits der Piste startet?

Die erste Regel ist, stets in der eigenen Falllinie zu bleiben.

Zu viele Kurvenfahrten können einen Schereffekt in der Schneedecke verursachen, was eine echte Gefahrenquelle darstellt.

Halte den Oberkörper gerade, mache dich so leicht wie möglich, die Schultern in der Achse der Piste, lege dein Gewicht beim Kurvenfahren immer nach außen, und du wirst die Pulverschneeabfahrt wie im Traum bewältigen.

 

• Wie hält man das Gleichgewicht? In der Falllinie?

Im Prinzip muss man den Oberkörper immer gerade halten sowie Ober- und Unterkörper unabhängig voneinander bewegen.

Mit den Schultern Richtung Tal, fährst du Kurven, indem du dein Gewicht nach außen verlagerst.

Alles andere ist eine Frage des Gefühls, wobei man flexibel und leicht bleiben und den Skiern vertrauen sollte. 

DIE AUSRÜSTUNG

• Hängt die Technik von der Art der Ski ab?

Ja. Auf traditionellen Ski wirst du die Füße enger stellen und eine leichte Rückenlage einnehmen, um die Abfahrt (Beugung, Streckung) besser zu kontrollieren. Wohingegen du mit breiten Powder-Skiern die gleiche Haltung einnehmen kannst wie auf den Pisten, mit leicht auseinander stehenden Füßen, die sich auf den vorderen Teil des Ski stützen, und mit flexiblen Knöcheln. Bei dieser Art von Ski bleiben die Schaufeln sichtbar, der Kraftaufwand ist geringer. Und egal was du für eine Ausrüstung hast, das Skifahren im Pulverschnee erfordert, dass deine Abstöße und Abläufe weich und geschmeidig bleiben.

 

• Wie sieht das beim Snowboarden aus? 

Bei der allgemeinen Herangehensweise für Ausflüge gibt es keinen Unterschied. Technisch und je nach Niveau werden einige Korrekturen unterschiedlich sein, aber das Prinzip bleibt das gleiche: leicht sein!

DIE UNTERSCHIEDLICHEN SCHNEEARTEN

Was ist mit der Art des Schnees? Gibt es verschiedene Techniken?

Natürlich musst du, je nach Schneelage, deine Skier anpassen. Du kannst dich auf diese wenigen Techniken berufen, um in fast jeder Situation zurechtzukommen.

 

• Auf vereistem Schnee:

Bevorzuge den so genannte „Stemmbogen“, bei dem du deine Skier zusammen bringst, um zu drehen, ein wenig wie beim Schneepflug, nur weniger ausgeprägt. 

 

• Auf weichem Frühlingsschnee:

In diesem Fall solltest du dein Gewicht, im Rahmen der körperlichen Leistungsfähigkeit deiner Oberschenkel, so weit wie möglich nach hinten verlagern. Ich nenne es die „Überlebenstechnik“, wichtig ist, dass man runter kommt...

 

• Im Pulverschnee:

Große Kurven oder Wedeln, man kann ihn genießen! Ich rate dazu, weniger Kurven zu fahren und sich vor allem leicht zu machen. Für gutes Wedeln solltest du daran denken, das Gewicht auf die Mitte des Skis zu legen und die Schaufel sichtbar zu halten, ohne dich auf die Vorderseite zu stützen, in einer sogenannten „Zwischenhaltung“. 

 

• Auf der Buckelpiste:

Dort ist der körperliche Aspekt sehr wichtig. Du musst in den Knien flexibel sein, um die Stöße abzufedern und wissen, wie du deine Kurve ändern kannst, indem du reaktiv und wachsam bist. 

DIE SICHERHEIT

Was sind in Sachen Sicherheit die richtigen Maßnahmen?

Zuerst einmal ist es wichtig, den Ausflug gut vorzubereiten.

Erkundige dich bei den Bergrettern und verfeinere deinen Plan am Morgen entsprechend der klimatischen Veränderungen.

Wenn es das erste Mal ist, dass du diese Route einschlägst, zögere nicht, dich von Profis begleiten zu lassen. Gehe auf jeden Fall nie allein los.

 

Außerdem ist es notwendig, mit der minimalen Sicherheitsausrüstung zu starten, nämlich:

Helm und Rucksack, für die Sicherheitsausrüstung sowie für das Handschuhpaar oder die zusätzliche winddichte Jacke, der auch mit einem „ABS“-System, einem DVA (Lawinenopferdetektor), einer Sonde und einer Schaufel zum Auffinden und Freilegen eines möglichen Opfers ausgestattet sein kann.

Ein kleiner Snack und etwas zu trinken, ob Wasser, Tee oder Kaffee, gehören ebenfalls zur Sicherheitsausrüstung, vergiss das nicht!

ZU VERMEIDEN

Die Fehler, die du nicht machen solltest?

Dich auf den hinteren Teil der Ski stützen, d. h. in Rückenlage fahren. Wenn du deine Schienbeine an die Vorderseite (Zunge) deiner Schuhe drückst, kannst du schneller und leichter anhalten.

Der andere zu vermeidende Fehler ist die Belastung der Beininnenseiten, die dich zweifellos zum Fallen bringen wird...

Außerdem solltest du deine Stärken und deine Form nie überschätzen! Es ist wichtig zu erkennen, wann die Bedingungen nicht optimal sind und dann umzukehren.

Abschließend, auf Seiten der Sicherheit im Gelände, folgen hier die grundlegenden Anweisungen einer Überlebensanleitung, die bei allen Bedingungen und auf jedem Gelände zu befolgen ist:

• nacheinander abfahren, um Überbeanspruchung zu vermeiden

• nicht mitten auf der Piste anhalten

• an einem geschützten Ort anhalten

Ein Schlusswort? Gleichgewicht, Leichtigkeit, Reaktionsfähigkeit und Wachsamkeit und das Skifahren abseits der Piste wird zu einem einzigartigen Universum aus Spaß und Nervenkitzel. Ich wünsche euch allen eine tolle Saison!

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