DAS RADFAHREN LERNEN: LAUFRAD ODER DREIRAD?

Kann dein Kind laufen? Perfekt! Dann kann es Fahrrad fahren! Zumindest beinahe ... Die erste Hürde musst du selbst meistern und dich entscheiden, ob Laufrad oder Dreirad. Wie soll man sich zwischen einem Modell ohne Pedale und einem mit drei Rädern entscheiden?

Die Sitzhaltung: physiologisch oder nicht?

Die Unterschiede in der Sitzhaltung zwischen Laufrad und Dreirad sind immens: Während auf dem Laufrad Kopf, Körper und Füße eine Linie bilden, sitzt das Kind halb liegend auf dem Dreirad. Was ist der Grund dafür? Die Konzeption der beiden Fahrgeräte. Die Position, die das Kind auf dem Laufrad einnehmen muss (Beine in Verlängerung des Oberkörpers), entspricht der natürlichen Körperhaltung. So findet es ganz selbstverständlich sein Gleichgewicht wie beim Laufenlernen auch.

Auf dem Dreirad ist seine Position durch die drei Räder starrer, der Lenker höher als beim Fahrrad und die Pedalen sind außerdem am Vorderrad angebracht. Ist Stabilität Garant für gutes Fahren lernen? Nicht wirklich. "Es macht keinen Sinn, ein Dreirad zu benutzen", erklärt Karina Roullin, Bewegungspsychologin. "Auf dem Dreirad streckt das Kind die Beine verkrampft nach vorn. Kleinere Kinder erreichen die Pedalen oft gerade mal mit den Fußspitzen. Das Kind kann so keine Kraft auf die Pedalen bringen und arbeitet dadurch oft zu stark mit der Bauchmuskulatur."

Laufrad oder Dreirad: Was fördert die Eigenständigkeit?

Sich allein fortbewegen, den Bürgersteig allein herauf- und herunterzufahren, eigenständig durch ein Gelände fahren, das ein wenig unwegsam ist, das unterstützt das Laufrad. Gut manövrierfähig und leichter als Fahhräder mit Stützrädern bieten sie dem Fahranfänger von Beginn an eine gewisse Freiheit. Das Laufrad ist außerdem ein gutes Mittel, um das Bremsen zu lernen, denn einige Modelle sind tatsächlich mit Bremsen ausgestattet. Das Kind lernt dabei, dass es das Rad selbstständig bedienen und lenken kann.

Manche Modelle sind ausgestattet mit einem Haltegriff, der den Eltern ermöglicht, das Kind in Reichweite zu halten und ihm beim Manövrieren zu helfen.
Fundamentale Unterschiede, die nicht unwichtig sind: Laut Frédéric Héran, Ökonom, Stadtplaner und Dozent an der Universität von Lille 1, erfreuten sich die Dreiräder besonders zwischen 1950 und 1970 großer Beliebtheit. "Als das Fahrrad als Freizeitobjekt und Kinderspielzeug nicht mehr zeitgemäß schien. Damals kam es nicht mehr infrage, Kinder frei mit ihren Rädern durch die Straßen ziehen zu lassen: Die gehörte von nun an den Autos, dem Symbol des Fortschritts. Das Dreirad – mit Lenkgriff! – verhinderte, wie Stützräder das auch tun, dass die Kinder zu schnell selbstständig wurden, und ermöglichte den Erwachsenen, sie zu überwachen.”

Im Zeitalter der freien Fortbewegung und selbstständiger Aktivitäten "ist der Erfolg des Laufrads für Kinder Symbol für die Wiederkehr des Fahrrads und die unvergleichliche Freiheit, die es schon den Kleinen schenkt, in Städten, in denen der Autoverkehr endlich eingedämmt wird", erklärt der Urbanist. 

Wie lernt man das Radfahren am besten?

Wenn die Bewegungspsychologien Karine Roullin von den Vorteilen des Laufrads spricht, betont sie immer wieder die gute Körperhaltung: "Das Kind muss seine Mitte finden, sich bewusst werden, dass es das Gleichgewicht verlieren wird, wenn es einen Fuß vom Boden nimmt und stürzen kann. Es ist ein Zusammenspiel des gesamten Halteapparats und der Muskeln, die für den richtigen Sitz beansprucht werden. Wenn die Haltung aber negativ beeinflusst wird, wird das Gleichgewicht nicht geschult."

Warum soll man kein Dreirad fahren, um darauf das Treten in die Pedalen zu lernen?

"Weil das Treten in die Pedalen nicht die Hauptschwierigkeit beim Fahren darstellt. Für das Kind ist es die größte Herausforderung, sein Gleichgewicht zu finden und zu verstehen, dass es immer ein wenig Bewegung braucht, um es halten zu können", erklärt Roullin.

Laufrad oder Dreirad?

Es kommt darauf an, was du beabsichtigst. Um dem Kind das Fahrradfahren beizubringen oder mit ihm die freie Fortbewegung zu üben, solltest du ein Laufrad wählen.
Wenn es allein darum geht, das Kind zum Spiel zu animieren, kann man auch ein Dreirad nehmen, an dem nicht selten hinten oder vorn eine Aufbewahrungsmöglichkeit für Spielsachen angebracht ist.

 

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Die Radgröße des Fahrrads hängt von der Körpergröße des Kindes und von seinem Alter ab. Um den Lernprozess zu erleichtern und maximalen Fahrspaß zu genießen, sollte das Kind auf einem Rad lernen, das seiner Körpergröße angemessen ist.
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Kinder lernen das Radfahren in verschiedenen Etappen: Zuerst muss das Gleichgewicht gefunden werden, dann lernen sie das Treten und schließlich das Bremsen. Das Kind kann nicht jede Etappe gleichzeitig meistern und zu lernen, das Gleichgewicht zu halten, ist tatsächlich der erste Schritt.
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